Dorfling

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Zu spät

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aus dieser Nummer kommen wir nicht mehr heraus. Aus welcher Nummer? Aus der - „wir gehen mit Europa unter“ - Nummer. Und warum nicht? Das bedarf einiger Erklärungen.

Begonnen hat das Drama, als man anfing Rettungsschirme aufzuspannen. Von Anfang an fand ich das nicht gut, da mit diesen Rettungsschirmen und mit den einhergehenden Forderungen der EU meiner Meinung nach nur zwei Dinge erreicht werden sollten, der Ausverkauf und die politische Machtübernahme der rettungsbedürftigen Staaten und das mit in den Abgrund reißen der noch leistungsfähigen Staaten.

Diese Meinung habe ich bisher nicht revidiert. Bis jetzt hält sich zwar die Kauflust der Investoren noch in Grenzen, vielleicht einfach nur deshalb, weil man gar nicht will, dass marode Staaten irgendwie zu Geld kommen und damit auch nur die geringste Chance auf Sanierung ihrer Haushalte bekommen oder weil die Investoren darauf hoffen, dass sie noch billiger an die Staatsvermögen kommen.

Den zweiten Punkt, das mit in den Abgrund reißen der noch leistungsfähigen Staaten wie Deutschland, Finnland oder die Niederlande, kann man getrost als erledigt abhaken. Sie sind nun dazu verdammt, den Schritt über den Abgrund mit zu tun. Durch die aufgeblähten Rettungsschirme, für die sie letztendlich alleine haften werden müssen, die Verbindlichkeiten der EZB und die klammheimlich ins gigantische gesteigerten Target 2 Forderungen an die Schuldnerstaaten ist ihr Schicksal besiegelt worden. Ein Ausstieg aus der Eurozone ist nunmehr für sie unmöglich geworden, weil durch ein dann unvermeidliches Auseinanderbrechen der EU enorme Belastungen auf  sie zukommen würden. Forderungen an Staaten der Eurozone wären dann uneinbringlich. Deutschland z. B. würde bei einer Pleite von Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien Verluste von ca. 600 Milliarden Euro auszugleichen haben, ein Auseinanderbrechen der EU dürfte für Deutschland mit ca. 900 Milliarden zu Buche schlagen. Beides Summen, die bei einer Staatsverschuldung von 2100 Milliarden, nicht tragbar wären. Dass die Summen noch höher ausfallen könnten ist keinesfalls auszuschließen.

Das Schlimmste an der Sache aber ist, dass Investoren, die in insolvente Staaten investiert haben und deshalb auf wertlosen Staatsanleihen sitzen, mittels Target 2 in die Lage versetzt werden reelle Waren und Güter zu erwerben. Das kann man sich etwa so vorstellen. Ein Investor, der für 500 Millionen Euro griechische und damit wertlose Staatsanleihen besitzt, tauscht diese zuerst wieder in Euros, geht damit auf Shoppingtour und erwirbt damit z. B. Immobilien in Deutschland, also reelle Werte. Das gesamte Target 2 Verfahren hier in Kürze im Detail zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Interessierten empfehle ich den Vortrag „Ist der Euro noch zu retten“ von Prof. Hans Werner  Sinn, der mir immer sympathischer wird.

Deutschland etwa, dessen Target 2 Forderungen an andere europäische Nationalbanken mittlerweile knapp 500 Milliarden Euro betragen und dessen Haftung für diverse Rettungsschirme und EZB-Verbindlichkeiten ca. 400 Milliarden Euro beträgt, kann nun nur noch dabei zusehen, wie mit wertlosem Geld reelle Werte gekauft werden. Ein Unterbinden dieser Machenschaften würde bedeuten das eigene Todesurteil zu unterschreiben.

Die Katze ist im Sack, es ist zu spät für einen Ausstieg aus diesem Irrsinn.

Also, morituri te salutant, oder vielleicht besser gesagt, lucrifacturi te salutant, wie es bei Asterix schon so schön hieß.

PS: Mehr über die Target 2 Salden erfahren sie im sehr informativen Blog „Querschuesse“.

 

Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.


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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 07. Januar 2012 um 03:14 Uhr