Allem Anschein nach werden Vorbereitungen für den Zerfall des Euros getroffen. Zumindest auf Seiten der Anleger geht man mittlerweile davon aus, dass eine Rettung des Euros nicht mehr möglich sein wird. Nachdem schon seit Längerem Griechen, Italiener, Franzosen usw. ihr Geld in den vermeintlich sicheren Hafen Deutschland überweisen oder es hier investieren, beginnen nun auch Großinvestoren für ihre Anlagevermögen das Heil in Deutschland zu suchen.
Anders lässt sich nicht erklären, warum jemand in deutsche Staatsanleihen investiert und dafür auch noch zahlt, anstatt Zinsen zu kassieren. Und das, obwohl sich doch mit einer für Politiker als unzerstörbar geltenden Währung in anderen Ländern sehr viel Geld verdienen ließe. Griechenland bietet heute immerhin 372% Zinsen für einjährige Staatsanleihen und immer noch satte 184% Zinsen für zweijährige. Und nachdem Politiker noch immer davon ausgehen, dass Griechenland gerettet werden kann und im Euroverbund verbleiben wird, müsste man als großer Investor doch eigentlich nichts Besseres zu tun haben, als jeden irgendwie verfügbaren Euro dort zu investieren. Und wenn man als Investor auch nur das geringste Risiko scheut, dann könnte man doch wenigsten im für Politiker als auf jeden Fall sicher geltenden Italien zumindest 5% Zinsen für seine zweijährigen Anleihen absahnen. Doch nein, man kauft deutsche Anleihen und bezahlt sogar noch dafür. Dies kann nur bedeuten, dass niemand mehr an die Rettung des Euros glaubt.
Wie soll er auch gerettet werden? Mittels eines EFSF, den keiner haben will, oder durch das schnelle Absegnen des ESM? Beides, der EFSF, der wenigstens noch ein Instrument ist, dass sich nach dem Markt richten muss und der ESM, der nur noch ein diktatorisch agierendes Gebilde zum Eintreiben von Steuergeldern darstellt, sind nichts anderes als Instrumente, die die Verschuldung der europäischen Staaten ins erhoffte Unermessliche erhöhen können. Dass die Verschuldung der Staaten aber irgendwann an ihre Grenzen gelangen wird, das ist den Investoren nun anscheinend, genauso wie die Tatsache, dass alle Rettungsversuche ebenfalls nur neue Schulden generieren, klar geworden. Sie haben verstanden, dass der Gipfel der Fahnenstange schon bald erreicht sein wird.
Da helfen auch keine beschlossenen Schuldenbremsen die sowieso nicht eingehalten werden können. Denn woher sollte das Geld für Rettungspakete, EFSF und ESM denn kommen wenn nicht über neue Schulden. Und da hilft es auch nicht, wenn ein deutscher Finanzminister behauptet, dass diese Schuldenbremse keinesfalls umgangen werden wird. Jedem ist klar, dass das für all die angestrebten Maßnahmen benötigte Geld dann halt als „Sondervermögen“ (klingt ja auch viel besser) ausgewiesen werden wird.
Nein, nichts mehr kann den Zerfall der europäischen Einheitswährung aufhalten, zu viele Fehler wurden bei deren Einführung begangen. Zu unterschiedlich war und ist die Leistungsfähigkeit der einzelnen Staaten, als dass ein Euro sie wirtschaftlich vereinen könnte. Auch die allseits gepriesene Hauptaufgabe des Euros, nämlich den Frieden in Europa zu garantieren wurde alles andere als erfüllt, der Euro erweist sich mehr und mehr als Spaltpilz der europäischen Nationen.
Nur das weitere Brechen von bestehenden, vor kurzem abgeschlossenen und in naher Zukunft ausgehandelten Verträgen oder die schnelle Einführung einer Finanzdiktatur in Europa werden den Zerfall des Euros noch etwas hinausschieben können. Sehr lange allerdings nicht mehr.
Euro hin oder her, überdies hinaus wird immer noch verkannt, dass sich das weltweite Finanz- und Währungssystem wieder einmal seinem zyklischen Ende mit großen Schritten nähert. Unser vorherrschendes globales Geldsystem ist nicht für die Ewigkeit gedacht.
PS: Warum unser Geldsystem nicht auf Dauer Bestand haben kann lesen Sie hier.
Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.
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