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Die dreifache Ordnung

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Welche Instanz hat die Kraft einer Veränderung?

Das Wort Krise erlebt gegenwärtig eine Inflation. Wir haben eine Finanz-, Wirtschafts-, Dollar-, Euro-, Griechenland-, Energie-, Nahrungsmittel-, Umweltkrise, Persönlichkeitskrise, Beziehungskrise, und so weiter ... leise kriselt es in allen Köpfen.

Ein Ausdruck der inflationär bedient wird, verliert an Bedeutung, d.h. man nimmt das Wort in den Mund und weiß nicht mehr was es bedeutet.

Ein Blick ins Internet zeigt uns zum Begriff viele Erklärungen für unterschiedliche Fachbereiche. In der ursprünglichen griechischen Bedeutung kann man es mit Beurteilung/ Meinung übersetzen, die eine Entscheidung verlangt.

Eine Krise birgt Gefahren und Chancen in sich und sie ist mit herkömmlichen Mitteln nicht zu bewältigen. Eine Krise verlangt einen neuen Blick, ein neues Bewusstsein. Wir müssen uns sozusagen erheben und eine neue Position beziehen. Die Krise nötigt uns von der Froschperspektive in die Adlerperspektive aufzuschwingen (zum Beispiel aus dem eigenen Egoismus in eine wertfreie Position zu gehen). Wertfrei heißt, andere Anschauungen zuzulassen und sich mit der eigenen Bewertung zurück zu nehmen. Sich selbst den Raum geben für eine andere Betrachtung. Rechthaberei und Ideologiestreit bringt da nichts mehr. Das Alte liegt hinter uns und das Neue können wir noch nicht erkennen. Am Altvertrauten festhalten heißt Veränderungen nicht erlauben oder sogar zu unterdrücken.

Genau das passiert zur Zeit im Großen wie im Kleinen, im Äußeren und im Innern. Wir haben eine gesellschaftliche Bewusstseinskrise.

Wir denken dass das Problem immer die Anderen sind, deshalb muss man sie nötigen, zwingen und verurteilen. Wir wollen das Verhalten der anderen bestimmen, weil wir uns selbst nicht verändern wollen. Bequemlichkeit, Desinteresse, Gesetze, Bestrafungen und Schuldzuweisungen sind unsere Waffen. Wir benutzen diese Waffen, weil uns Angst und Verlust treibt. Unser Misstrauen verhindert den klaren Blick und klares Denken. In Zeiten der Krise fällt uns das Schweigen und Zuhören schwer. Wir lassen unsere Triebkräfte freien lauf, erklären sie als authentisch und entlasten uns mit Zerstörungsphantasien auf Kosten Anderer.

Das Spiel der Schuldfrage macht sich überall breit, wir produzieren Fragen über Fragen und nehmen uns keine Zeit des Verstehens. Wir suchen nach Sofortlösungen und werden anfällig für Scheinrezepte.

„Wie kann es sein, dass Staaten den Banken Milliarden leihen, nur um sich bei demselben Banken zu verschulden?

Wie kann es sein, dass ein einziger Finanzmarkt zehnmal so groß ist wie die Wirtschaftsleistung der gesamten Welt?

Stimmt der Vorwurf der Politiker, „die Märkte“  trieben mutwillige Spekulationen mit Europa?

Warum ist es den Regierungen nicht gelungen, die Macht der Finanzmärkte zu beschneiden?

Schließlich: Wem gehört die Welt, wer regiert das Geld?“

Spiegel 55, S. 41/42

Während im letzten Jahrhundert die Weltgemeinschaft in der dualen Auseinandersetzung zwischen Ost- und Westideologie litt übernehmen heute globale Finanzsysteme die Herrschaft.  Eine Herrschaft, die mit finanzpolitischem Spatendenken sämtliche Lebensbereiche erklären und lösen wollen.  Auftretende Missstände (Umweltschäden, Hunger, Kriege, soziale Schieflagen, Krankheiten,  einseitige technologische Entwicklungen etc.) werden als moralische Verfehlungen einzelner Akteure gewertet. Schmalspurdenken, Spezialisierungen, Abgrenzungen von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeitsbereiche und egozentrisch interessengeführtes Verhalten sind Konsequenzen einer „nicht mehr beherrschbaren globalen Welt“. Die Sehnsucht nach einer geordneten Welt und nach einem „Retter“ werden immer lauter.

Für lange Diskussionen und für ausreichende Meinungsbildung ist kein Raum mehr vorhanden, denn die Angst der Handlungsunfähigkeit ist groß. Die Bevölkerung wird nicht mehr ernst genommen, Politiker erleiden Glaubwürdigkeitsverluste und das Rechtssystem beugt sich den ökonomischen Verhältnissen.  Es ist ein chaotischer Zustand ohne sinnstiftende Ordnung. 

Die Weltgemeinschaft  lebt in einer Bewusstseinskrise, weil altes Herrschaftsdenken und Machtinteresse mit Ängsten und Untergangsdenken sich gepaart haben.  Wir wagen es nicht die menschliche Evolution neu zu denken und kehren zurück zu alten Vorstellungsbildern, die ihre Berechtigung schon lange verloren haben.

Denn die soziale Ordnung wird von drei großen Bereichen bestimmt:

--> Wirtschaft, Recht und Kultur.

Jeder einzelne Bereich trägt eine eigene Ordnung in sich,  die sich im Zusammenspiel gegenseitig unterstützen und nicht bekämpfen sollten.

Die akute Lösung muss allein und ausschließlich im Geldsystem gesucht werden. Die Systemfrage des Geldes bedarf einem Quantensprung im Bewusstsein, denn das Geld darf nicht zu einer Ware werden, das sämtliche Vorteile in sich trägt, für das es sich lohnt Menschen zu unterdrücken und in Kriege zu ziehen.  Geld darf nur als Äquivalent erbrachter Arbeiten und Diensten zur Verfügung stehen und muss auch dementsprechend einen Werteverfall beinhalten. Das Rechtssystem muss eine natürliche Ökonomie unterstützen und nicht zum Stallbügelhalter einer wirtschaftlichen Unterdrückungsmaschinerie die jegliche kulturelle und geistige Menschenbildung zum Konsumfaktor degeneriert.

Versuche politische Macht mit ökonomischer Macht zu vereinigen zieht in letzter Konsequenz das Scheitern  einer menschenwürdigen Welt nach sich, solange das Geldwesen nicht im inneren Wesen nach verstanden wird.

Ebenso ist eine propagierte Freiheit der Finanzmärkte extrem schädlich, weil das Geld sich nur nach Mehrung orientiert und alle anderen Bereiche unterdrückt. Das Geldwesen kann nur beherrschbar werden, wenn das Geldwesen ein Sterbe- und Erneuerungsprozess in sich trägt, ansonsten würde es Sterbeprozesse auslagern und in andere Bereiche übertragen.  Es hätte fatale Folgen auf  das Rechtssystem und auf die geistige Freiheit der Kultur.

Das Bemühen einer gedankliche Durchdringung von gesellschaftlichen Lebenszusammenhänge ist ein Prozess der Bewusstseinserweiterung und dient der Verantwortung gegenüber unserem Planeten. Unser Handeln fängt im Kopf an. Solange wir Verantwortlichkeiten delegieren und mit Fingern auf andere zeigen, wird sich nicht viel verändern. Wir müssen lernen unsere Handlungen menschlich auszurichten. Es ist der Weg der Liebe und nicht der Absonderung und Ausgrenzung. Gewiss ist das, das Schwierigste.

Kommentare
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admin   |SAdministrator |2011-12-18 17:27:32
Hallo Andreas,

es freut mich immer wieder, wenn ich lesen darf, dass es Menschen gibt die den Kern des „Übels“ erkannt haben. Danke!

Die Suche nach dem oder den Schuldigen ist in einem
System, welches Schuldige produzieren muss, sinnlos. Auch wenn ich selbst des Öfteren den- oder diejenigen „Schuldigen“ anprangere, so ist mir natürlich bewusst, dass die Schuld an der
allumfassenden Krise bei jedem einzelnen zu suchen ist. Nur ein Bewusstseinswandel jedes einzelnen, die Setzung neuer Werte und die „Erschaffung“ eines dienlichen „Tauschmittels“ wird diese
Krise beenden und für ein menschenwürdiges Dasein sorgen können.

Noch einmal danke für deinen Beitrag, bitte mehr davon

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