Das emotionale und monetäre Gezerre um unseren Fußball-Nationaltorwart Manuel Neuer hat endlich ein Ende. Der 25jährige wechselt nun also wie längst gemutmaßt von "Schalke 04" zum Branchenprimus FC Bayern München. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2016 und die Geldflut von bis zu 25.000.000,00 EURO Ablösezahlung (offiziell) spült die moralischen Bedenken der Gelsenkirchener Vereinsführung dann doch weg.
Nun, das ist ja so eine Sache mit der Moral. Angeblich kämpften die Schalker Bosse ja bis zur letzten Minute um den Verbleib ihres Nationalspielers, selbst noch am Tag der Bekanntgabe des Transfers faselte Manager Horst Heldt etwas von "Hoffnung, dass Neuer auf Schalke bleibt". Hinter den Kulissen wurde indessen schon über Wochen verhandelt und fieberhaft eine neue Nr.1 fürs Tor gesucht.
Aber auch andere Menschen haben nicht nur Moral - was an sich ja wünschenswert wäre - nein, sie haben sogar zwei davon: Die berühmte Doppelmoral. Manch fanatisiertem Schalker Anhänger ("Blau und Weiß bis in den Tod") reicht der Horizont seiner rosaroten Vereinsbrille nur bis an den Rand des Gelsenkirchener Barocks. Alles außerhalb von "Herne-West" ist Feindesland und Manuel Neuer selbstredend ein Verräter. Man hat eben den Verein nicht zu wechseln, basta. Neuer ist quasi ein Judas, nur mit dem Unterschried, dass die Silberlinge natürlich an den Verein fließen. Die nimmt man dann schon, bevor man nächstes Jahr zum Vertragsende in die Röhre, bzw. in die mit Spinnweben benetzte Klubkasse schaut.
Die Doppelmoral bezieht sich aber gar nicht so sehr auf die Finanzen, sondern auf die persönliche Vereinnamung von Spielern. Für Schalker Fans, deren Verein schon mal zur Ersatzreligion wird, ist ein Spieler Identifikationsfigur und Hoffnungsträger zugleich. Er dient als Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Sehnsüchte einer tristen Welt. Und wehe denn, er erfüllt die in ihn gesteckten Erwartungen nicht. Wolfram Wuttke oder Kevin Kurányi können ein Lied davon singen und damit meine ich nicht die Vereinshymne.
Solange Spieler aber pflegeleicht sind und "funktionieren" entsteht gewissermaßen eine innige "Liebesbeziehung" zwischen Fan und Spieler. Der Spieler gehört also zur "Familie".Deshalb ist es so problematisch als Spieler den Verein zu verlassen. Dass dem Schalker Vereinsmitglied jedoch Piepegal ist, woher die eigenen Spieler denn eigentlich kommen, ist dabei schon ein moralischer Offenbarungseid.
Vor noch nicht allzulanger Zeit hatte der Gelsenkirchener Stadionbesucher nämlich überhaupt keine Probleme damit, alle zwei Wochen die halbe Belgische Nationalmannschaft auf dem Platz spielen zu lassen und auch jetzt ging Schalke mit Spielern aus Griechenland, Brasilien, Norwegen, Japan, China, USA, Georgien, Kamerun, Kroatien, Serbien, Peru, Schweiz, Mazedonien und der Slowakei, also mit Spielern aus 11 verschiedenen Nationalmannschaften in die abgelaufene Saison. Überhaupt nur zwei Spieler waren im Kader, die schon als Kind beim FC Schalke angefangen haben (Neuer, Paschan).
Die "Knappen" sind schnell zu begeistern, ein Peter Neururer oder Felix Magath waren schnell Könige des Reviers, jedoch bald geschasst. Elf Trainerwechsel in 10 Jahren. Mein Gott Schalke, endlich hatten sie jetzt mit Magath einen Universal-Guru, der die Mechanismen des ergebnisorientierten Fußballpragmatismus auswendig kennt und dann feuert man ihn, weil er kein Volkstribun war bzw. der Fan-Seele als Unterhaltungs-Chef nicht den Hoffnarren gegeben hat. Wenigstens konnte Rangnick den Pokalsieg nicht verhindern. Aber so hat halt alles wieder seine Ordnung. Der geneigte Fan hat wieder seine oberflächlich-"familiäre" Atmospäre des "80.000 Freunde müsst ihr sein" und der Verein wird vielleicht mal wieder Vizemeister. Aber Meister? In weiteren fünfzig Jahren nicht!
P.S. Es tut mir ja fast leid, zwei so niedliche Einträge im Yahoo-Forum von vor 4 Jahren hier zu zeigen, aber ich habe mir das damals extra notiert, hier als Anhang ohne Kommentar:
Stefan:
"...weil Dortmund und Lüdenscheid bald in der gleichen Liga spielen! Schalke Forever!"
Longus04:
"Dormund? Was ist Dortmund? 2. Liga? Da fliegen unsre Tauben doch blos zum kac... hin. Nee, mal im Ernst, manche Worte nimmt man nicht in den Mund, wie z.B. BXB. Glückauf, wir sehen uns am 12.05. im IDUNA Park"






