Iran – der Albtraum Netanyahus

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Gestern hielt der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ein Rede vor dem versammelten Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Rede hielt er ohne vorherige Absprache mit dem US-amerikanischen Präsidenten Obama, womit er diesen – gelinde gesagt – arg brüskierte. Anlass seiner Rede waren die derzeitige Verhandlungen der USA mit dem Iran, in denen sich ein Kompromiss abzuzeichnen scheint. Ein Kompromiss, den es nach Meinung Netanyahus unbedingt zu verhindern gilt.

Mit stehendem Applaus, wie er normalerweise nur noch Popstars oder Sektengurus zuteil wird, wurde Netanyahu von den Kongressabgeordneten empfangen. Die Ovationen der Abgeordneten machten ganz klar deutlich, wie sehr sie hinter der Politik Netanyahus und den Interessen des Staates Israel stehen. Wie für Politiker üblich bewiesen sie damit, dass auch sie die Ansichten und Meinungen eines Großteils der von ihnen vertretenen Bürger vollkommen ignorieren.

Zur Rede Netanyahus (vollständige Rede) gibt es nicht viel zu sagen. Wie immer war es das Ziel dieser Rede, die Welt davon zu überzeugen, dass der Iran die größte Bedrohung für Israel und natürlich auch für den Rest der Welt darstellt und, wie mittlerweile seit Jahrzehnten, wies Netanyahu darauf hin, dass es dem Iran gelingen könnte, innerhalb kurzer Zeit eine Atombombe zu bauen. Immer wieder betonte er auch die aggressive Politik des Irans gegenüber seinen Nachbarn im Nahen Osten, Nachbarn, die Israel und die USA und ihre Vasallen seit Jahrzehnten in Schutt und Asche bomben.

Welche Absichten verfolgt Netanyahu mit dieser Rede? Netanyahu dürfte mit dieser Rede mehrere Absichten verfolgen. Zum einen sollte sie die US-amerikanische Regierung unter der Führung von Barack Obamas schwächlich und ihre Weltmacht verlierend aussehen lassen. Zum anderen sollte damit eine schon leicht erkennbare Neuausrichtung der politischen und militärischen Führung der USA im Nahen Osten - die Israel und Saudi Arabien als Hauptverbündete bedeutungsloser werden lassen könnte - verhindert werden.

Doch nicht nur außenpolitische Gründe mögen Netanyahu zu dieser Rede bewogen haben. Zwei Wochen vor der Wahl wollte er mit seiner Rede auch noch etwas anderes bezwecken. Er wollte seinen Ruf, der Einzige zu sein, der für die Sicherheit Israels garantieren könne, stärken. Obwohl er noch immer aufgrund seines Rufs und hauptsächlich aufgrund der erfolgreichen Konditionierung einer Mehrheit der israelischen Bevölkerung gute Aussuchten auf einen Gewinn der anstehenden Wahlen hat, war diese Rede notwendig, da sich in Israel immer mehr hochrangige Politiker, Militärs und Geheimdienstmitarbeiter zu einer Opposition formieren.

Ein weiterer Grund für seine Rede könnte gewesen sein, sich als einziger, alleingelassener Verfechter westlicher „Werte“ im Nahen Osten darzustellen. Ein Verfechter westlicher „Werte“, dem man im Notfall Beistand zu leisten hat.

Wie dem auch sei, die Rede Netanyahus vor dem versammelten Kongress in den USA hat deutlich gemacht, welcher Seite sich die US-amerikanische „Elite“ verpflichtet fühlt.

 

Ob es den noch über Reste von Intelligenz und Vernunft verfügende US-Militärs gelingen wird, die Regierung unter Barack Obama weiterhin davon abzuhalten, sich unter das Diktat Netanyahus zu stellen, wird sich zeigen. Dann wird sich auch zeigen, wer wen regiert

 

 

Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.