Mittwoch, den 28. März 2012 um 19:19 Uhr
Thomas L. Baier
Hier wieder einmal mein vollkommen unentspannter, emotionaler und subjektiv-moralinsaurer Wochenrückblick:
Echo-Verleihung
O mein Gott, was für eine Kommerz-Kacke! Was für eine Selbstbeweihräucherung der deutschen Musikbranche. Aber auch alles, was weder Rang noch Namen hatte, war gekommen. Bei der 21. Verleihung des Echos, oder wie es BILD (die es ihrer Art Leser ja immer etwas genauer erklären muss) enthusiastisch den „Pop-Oscar“ nannte, aber der natürlich eher ein Grammy ist, trafen sich wieder mal Jung und Alt, naja vor allem Alt. In vielen verschiedenen Musiksparten wurden Preise an die kommerziell erfolgreichsten Musiker vergeben. Die Anzahl und Art der Sparten variierte in der Vergangenheit schon mal, je nach dem wie man sie gerade brauchte. Hauptsache die gewünschten Personen erhalten die Preise.
Diese Veranstaltung wurde übrigens erst 1992 quasi aus dem Boden gestampft und ist alleine aus diesem Grunde schon erkennbar überflüssig. Da sich die Preisverleihung an den Verkaufszahlen orientiert (und selbst diese werden mittels unkorrektem Verfahren ermittelt!!) und nicht an der Qualität der Musik, macht das Ganze sowieso keinen Sinn mehr. Haben sie sich denn nicht schon mal gefragt, warum in letzter Zeit immer wieder die alten „Musik-Dinos“ an der Spitze der Charts stehen? Udo Lindenberg, BAP, Toten Hosen, Grönemeyer, Peter Maffay. Eine Erfolgsmeldung jagt die nächste, und die Medien feiern die Alten gerne: „Wie Wein - Je Älter, desto besser“. Die Wahrheit ist aber ernüchternd: Die Einzigen die noch bereit sind Platten zu kaufen, sind die Älteren unter uns, die sich mit dem Internet noch nicht so auskennen. Da reichen dann schon mal ein paar Busse aus dem Altersheim im Plattenladen, um anständige Charterfolge für die Amigos zu zaubern. Die Plattenverkäufe, derer sich Maffay heute rühmt, hätten ihn in den Achtzigern aufheulen lassen. Dies gilt aber in den Staaten genauso. Jeder, der im Pop was auf sich hält, macht schnell noch eine Country-Platte, weil man da noch was verdient. Der Spruch des Tages verrät dann noch ein klein wenig über die Ansprüche der einzelnen Kapellen, so meinte Thomas Stolle, Gitarrist von Silbermond: „Und wenn das Mikro auf der Damentoilette steht, weil es toll klingt, dann ist das halt so.“ Okay! Wenigstens wissen wir jetzt dem Klang von Silbermond nach zu urteilen, das sie das noch nicht gemacht haben.
Auf jeden Fall hatten wir jetzt den Salat: Die Echo-Bühne war voll von alten, faltigen Gesichtern in schwarzen Lederklammotten. Und der einzige „Höhepunkt“ des Abends: Das Zungenkuss-Plagiat, das Verteilen von Spucke und Speiseresten der Moderatorinnen Ina Müller und Barbara Schöneberger: Zwei ältere Frauen treiben homosexuelle Handlungen auf der Bühne. Na Mahlzeit. Hoffentlich saßen die Dritten!
FDP-Generalsekretär
Den Namen habe ich jetzt weggelassen. Oder kennen sie ihn etwa? Den FDP-Generalsekretär Patrick Döring, Geschäftsführer meiner liebsten politischen Splittergruppe. Er war am Sonntag ein wenig aufgeregt, kann ich verstehen. Mensch, da ist einem so zumute, dass man am liebsten im Badezimmer auf dem Boden läge und heult, aber da man in der Partei nix zu sagen hat, muss man einzig in der Niederlage in die Bresche springen und soll das Ganze möglichst als Sieg verkaufen.
Das hat den Patrick Döring am Sonntagabend in der Bonner Runde etwas überfordert. Die Nerven lagen blank und schließlich - so richtig in Rage - rutschte ihm dann raus, was er wirklich denkt. In Zusammenhang mit den Piraten und deren direktdemokratisches Modell sprach er von der „Tyrannei der Masse“. Na, da hats Nordkorea aber schön, gell Patrick? Na, wir haben einige antike und das ptolemäische Weltbild überlebt, wir werden auch das Weltbild dieses – wie hieß er noch? - richtig: Döring überleben.
Papst Benedikt, der Sechzehnte
Unser Mann im Vatikan, „Sepp“ Ratzinger, der Bischof von Rom und Chef der Katholiken begab sichauf Staatsbesuch nach Mexiko. Geplant war ein ziemlich strenges Auftreten des Monarchen – anders als unter seinem Vorgänger Johannes Paul II. Es war angewiesen worden, keine Treffen mit Anhängern ohne Funktion und Rang zuzulassen und die Messen sollten ohne Applaus stattfinden.
Doch dann die Überraschung: Der Papst ließ sich von Zehntausenden von Gläubigen hinreißen, die ihn beklatschten und Lieder sangen. Der „heilige“ Mann verletzte das Protokoll und trug sogar eine Zeit lang einen Sombrero, der ihm gereicht wurde. Geschichte wird wohl sein Satz schreiben: „Ich fühle mich als mexikanischer Papst.“ Dies ist wenigstens ein schwaches Zeichen gegen den Eurozentrismus der Kirche, deren allein ein Drittel der Gläubigen aus Lateinamerika kommen.
Benedikt solidarisierte sich dann noch mit den Opfern des Drogenkrieges in Mexiko und lobte die Arbeit der Laien in der Kirche. Doch dann folgte leider eine weitere „geschichtsträchtige“ Aussage unseres Pontifex Maximus'. Er äußerte sich zwar nicht direkt zu den sexuellen Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche und empfing auch keine Opfer, aber er forderte die Bischöfe auf, interne Streitigkeiten und Rivalitäten beizulegen. Sie müssten aufmerksam den Lebenswandel ihrer Untergebenen beobachten und „unschickliche Verhaltensweisen“ bestrafen. (Übrigens, was nach Ansicht des römischen Bischofs unschicklich ist, wird in Deutschland nach § 225 StGB Misshandlung von Schutzbefohlenen (beziehungsweise den §§ 221 – § 229 (Tötung und Körperverletzung)) und nach § 177 – § 178 (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung) angeklagt.
Wolfgang Schäuble
Dienstag wird noch gemeldet: Finanzminister Schäuble will in diesem Jahr etwa 9 Milliarden EURO mehr Kredite aufnehmen als geplant. Jetzt macht er also rund 35 Milliarden EURO Schulden. Doppelt soviel wie im Jahr 2011. Mir klingen eigentlich noch die Ohren von den Erfolgsmeldungen der letzten Monate: Sprudelnde Mehreinnahmequellen, weniger Arbeitslose, also weniger Kosten, dagegen mehr Erwerbstätige, die Kunjunktur läuft usw.; tja und dann? Plötzlich wieder mehr Schulden? Aber halt, nein:
Und jetzt? Jetzt heißt es zwei Tage später vollmundig in einer DPA-Meldung: „Schäuble macht Tempo beim Defizitabbau. Bald soll der Etat weitgehend wieder im Lot sein. Aha! Prima! Aber – jetzt lachen sie bitte nicht hämisch – diese Zahlen spielen in der Zukunft eine Rolle. Wolfgang Schäuble spricht nämlich hier vom Haushalt 2016!!!!!!!!! Aber bitte, er sagt ja gleich dazu – Verzeihung, ho ho- „Hier geht es nicht um Show“ sonst würde er eine echte „schwarze“ Null verkünden, nein, er habe ganz seriös (mmpffft, sorry) einen nüchternen Mini-Kredit in Höhe von 1,1 Milliarden eingeplant. Ha ha ha, was für ein Stand-Up-Comedian! Kriegt nicht mal ansatzweise den aktuellen Etat in den Griff, aber in 4 Jahren, ja dann aber, aber ganz bestimmt! Versprochen! (Bitte beachten: Er weiß immerhin schon die Kommastelle hinter der einen Milliarde. Da werden wir ihn aber festnageln.)
Flüge ins All
Der Multi-Milliardär Richard Branson ist bald fertig mit der Entwicklung seines „Space Ship 2“, eines privaten, kommerziellen Weltraumprojekts. Weihnachten soll es los gehen. Letzte Woche vermeldete man den bereits 500. Passagier, der die immerhin 150000 Euro teure Reise reserviert hat. Übrigens handelte es sich hierbei um den US-Schauspieler Ashton Kutcher. Vor ihm auf der Liste stehen bereits andere Leute mit viel zu viel Geld, so etwa Angelina Jolie, Katy Perry, Beyoncé und Tom Hanks. Und mir erzählt man Angang dieser Woche, wegen der großen Gefahren möchte man zukünftig Weltraum-Müll vermeiden.
BILD-“Zeitung“
Das Presserecht ist Landessache. Aber ich zitiere hier exemplarisch gerne aus dem Landespressegesetz von Baden-Württemberg, den §3 Öffentliche Aufgabe der Presse „Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt.“
Aha, na dann schauen wir doch mal in Deutschlands liebstes Straßenblatt, die BILD. Unter großem moralischen Tamtam wurde öffentlichkeitswirksam die angeblich „berühmte Seite-1-Schlampe“ abgeschafft. Endlich, möchte man sagen, etwas Selbstverständlicheres sollte es in einer Tageszeitung gar nicht geben. Doch wird „Revolverblatt“-gleich die ganze Story noch tagelang im hinteren Teil ausgewalzt – natürlich reich garniert mit Bildern – und extra profitiert.
Aber weil das noch gar nichts ist, stellte das Springer-Blatt am Freitag ein Bild von Angela Merkel auf Seite 2, in dem eine Szene gezeigt wird, in dem sie ihre Brieftasche in der Hand hält. Darauf kann man entfernt ihren Personalausweis erkennen. Natürlich vergrößert das Blatt diesen Ausweis und zeigt ihn – nun gut sichtbar – mit den heuchlerischen Worten „Vorbildlich! Die Kanzlerin hat den Personalausweis immer dabei.“ Ich meine, welch abgrundtiefe Geringschätzung des Persönlichkeitsfeldes liegt denn hier vor. Wollen sie letztlich auch noch den Dreck unter den Fingernägeln zeigen? Abgesehen davon ist es auch sachlich falsch. In dem Buch „Lexikon der Rechtsirrtümer“ rät der Autor und Jurist Ralf Höcker ausdrücklich davon ab, den Ausweis mit sich zu führen, bestenfalls eine Kopie. Die bestehende Ausweispflicht bezieht sich auf das bloße Besitzen des Ausweises, nicht auf das Mitführen. Wer ihn nicht dabei hat, kann ihn auch nicht verlieren.
Harald Lesch
Ein Mann, der uns sehr imponiert, ist der Naturwissenschaftler und Philosoph Harald Lesch. Seit 1995 ist der 51jährige Professor für Theoretische Astrophysik und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an Münchner Hochschulen. Bekannt und berühmt ist er aber durch seine populärwissenschaftlichen und im leidenschaftlichen Stile vorgetragenen Fernseh-Monologe geworden. Dafür wurde Professor Lesch letzte Woche in Hannover als „Hochschullehrer des Jahres 2011“ ausgezeichnet. Der deutsche Hochschulverband lobt ihn als „Sympathieträger und Botschafter für die Wissenschaft und die Faszination, die von ihr ausgeht. Es gelingt ihm mühelos, Brücken zwischen Geistes- und Naturwissenschaften zu schlagen und Einsichten in Zusammenhänge der Welt zu vermitteln.“
Lesch selbst sagt: „Die Menschen müssen erfahren wie toll das ist, dass wir etwas darüber verstehen, wie die Welt funktioniert und wir uns nicht irgendwelchen irrationalen Geheimlehren hingeben müssen, sondern dass es da eine ganz klare Methode gibt, wie man seinen gesunden Menschenverstand benutzt – also das ist schon fast Aufklärung.“
Hier gerne eine Weiterleitung zu einer aktuellen und sehenswerten Sendung über: Leschs Kosmos HAARP-Geheime Wissenschaft
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. März 2012 um 10:40 Uhr
Dienstag, den 20. März 2012 um 15:41 Uhr
Thomas L. Baier
Bundespräsident
Vorweg die gute Nachricht für Deutschland: Horst Seehofer ist die Rolle des faktischen Staatsoberhauptes los*. Wobei: Urteilen wir nicht vorschnell, denn laut Monika Gruber steht Horst Seehofer ja auch als Sinnbild für uns Alle. Nämlich als Hoffnungsträger, dass „Jeder alles werden darf, selbst wenn er nichts kann.“ Ein anderes Sinnbild erfüllt da schon der neue Bundespräsident, Joachim Gauck. Kurzzeittig jedenfalls vermittelt er die nach langer Zeit mal wieder philosophische Hoffnung des Platon, der Beste müsse an die Spitze des Staates. Allerdings, die Erwartungen, die ihm mittlerweile von allen Richtungen entgegengebracht werden sind indes gar nicht mehr erfüllbar.
Die einen erwarten von ihm bereits, dass er übers Wasser geht, die Anderen würden ihm genau dann ein Plagiat vorwerfen („Gab's doch schon!“). Na, DORFLING wünscht dem neuen Staatsoberhaupt an dieser Stelle eine glückliche Hand und erfolgreiche Amtsperiode!
Adel
Einen viel besseren Vorschlag, als die Besten unter uns an die Spitze des Staates zu setzten, hat letzte Woche Philip Kiril, Pippin der Schwangere von Preußen oder so ähnlich, ein Urururenkel Wilhelms II., immerhin evangelischer Prediger in Zehdenick, gemacht. Seiner Meinung nach sollte Deutschland wieder zur Monarchie werden. Statt eines Bundespräsidenten gäbe es dann wieder eine königliche Familie, die die Herzen der Menschen erreicht. In der Zeit-Beilage Christ &Welt schwadronierte er weiter von monetären Versuchungen, die entfallen würden, denn entweder der Monarch „hätte alten Familienbesitz oder eine Apanage – und es wäre unter seiner Würde, von Freunden Geschenke anzunehmen“.
Tja, stellen sie sich nur mal vor, es gäbe in unserer Vergangenheit - in den Anfängen des dunkelsten Mittelalters - verschiedene halbwilde Familienhorden, die sich mit brutaler Gewalt die Schädel einschlügen und bald über territoriale Macht verfügten. Nennen wir sie mal Merowinger. Stellen sich sich nur mal vor, diese Familienclans, schließlich fettgefressen und dekadent, verlören ihre Macht intern an ihre Hausverwalter, die ihrerseits wiederum alle Macht und Pfründe schön in ihren Familien zusammenhielten. Nennen wir diese mal Karolinger. Und diese Karolinger – sie können mir in ihrer Vorstellungskraft noch folgen? - wären so anmaßend, ich meine sie bestimmen als dynastisches Herrschergeschlecht eh schon einfach so über ein ganzes Volk – ja sie wären so anmaßend, sich im 10. Jahrhundert von Typen wie unserem Ratzinger zu Nachfahren der römischen Caesaren krönen zu lassen, also jetzt schon Gottkönig gleich. Irre, oder? Aber, ich bin ohnehin schon zu schnell, denn Mitte des 10. Jh war das natürlich schon die nächste Familienbande – selbsverständlich schon etwas kultivierter – die Ottonen, dann kamen schließlich die Salier, dann doch die Staufer, die Welfen, die Habsburger, die Luxemburger, die Wittelsbacher, die Lothringer... äh, und so weiter und was weiß ich. Eins ist all diesen Herrschergeschlechtern gleich: Ihre Abneigung gegen das „einfache Volk“. Ein Feudalsystem, eine Klassengesellschaft und striktes Fernhalten des Volkes von Bildung (mmh, warum muss ich jetzt an unser TV denken?) ermöglichten diesen feinen, eingebildeten, hochmütigen, rücksichtslosen, reaktionären, dekadenten und blasierten Popanzen – jetzt Hochadel genannt – ein schickes Leben auf dem Rücken der Menschen zu führen. Was durch jahrhundertelangen Terror von oben nach unten dabei herausspringt können sie heute noch sehen. Obwohl der ADEL IN DEUTSCHLAND ABGESCHAFFT IST!!!!!!!!! können sie das erpresste und zusammengestohlene Vermögen der allerhöchstgeborenen Einbildlinge immer noch sehen: Burgen, Schlösser, Besitztümer in Land und Kunst, Schätze und Standesdünkel. Und alles nur weil es Menschen gibt, die glauben, von Geburt an mehr wert zu sein wie andere. Ich könnte kotzen.Da bin ich ja schon froh, dass die Revolution des Robbespiere bevor sie letztlich ihre eigenen Kinder und auch ihn gefressen hat, wenigstens noch den Bürger Capet 1793 erwischte.
Und hier ein kleiner Vorschlag am Rande: Hey, Adelspack – die ihr gar keins mehr seit – setzt euch mal zusammen, legt eure bescheuerten Namensbestandteile ab und gebt dem Volk wenigstens Teile von dem zurück, was ihr euch naturwiderrechtlich zusammen geklaut habt!
Magdalena Neuner
Die erfolgreichste Biathletin aller Zeiten beendet ihre Karriere und zwar mit einem moralischem Stinkefinger, den sie uns allen zeigt. Sie hört auf und wahrscheinlich nicht mal auf ihrem Zenit, sondern lediglich auf einem vorläufigen Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit und mit gerade einmal 25 Jahren. Schade für uns. Natürlich muss sich die junge Athletin nicht wundern, wenn eifrig spekuliert wird, was denn so dahinterstecke. Klar, ähnliche Beispiele sind rar. Ich muss lange überlegen, um auf ähnliche Fälle zu stoßen (Mark Spitz, Justine Henin, Bobby Fischer). Diskutabel ist hier natürlich die Frage nach der moralischen Verantwortung des Athleten für die Sportart, die ihn groß gemacht hat. Muss man den hier nicht etwas zurückgeben? So wie Jimmy Connors – Federer möge mir verzeihen – den vielleicht besten Tennisspieler aller Zeiten, der selbst bis in seine Vierzigerjahre hinein noch professionell spielte. Hat man da auch Verantwortung? Kommentare sind mir hier sehr willkommen.
Ejakulativ
SAT1-Reporter Wolff Fuss schuf während der Live-Übertragung des 7:1-Sieges von Barcelona gegen Bayer Leverkusen in der Champions-League den Begriff des Ejakulatives neu. In dieser Partie schoss der unzweifelhaft beste Spieler der Welt, Lionel Messie, gleich 5 Tore alleine und wurde von seinem Publikum gefeiert, als sei der Leibhaftige gelandet. Da meinte Wolff Fuss trocken, statt dem Superlativ, mit dem der Südamerikaner die letzten Jahre schon überhäuft wurde, bliebe den Anhängern gar nichts anderes mehr übrig als ab jetzt den Ejakulativ zu verwenden.
Löwen
Diese Woche ergatterte ich einen interessanten Spruch (ob er klug ist, lasse ich mal dahingestellt, aber er passt in mein Weltbild, basta!). Aus dem Film „Zombieland“. Zwei Leidensgenossen wollen einen Hang hinunterklettern, da macht der eine ein paar Dehnübungen. Worauf sein Partner fragt, was machst du denn da. Und der antwortet, er würde sich aufwärmen. Nach einigem Kopfschütteln erwidert der Erste: „Wenn ein Löwe in der Savanne eine Antilope reißt, hast du da schon mal gesehen, dass er sich vorher aufwärmt?“
Dazu ein paar Fakten: Ein Löwe frisst am Tag bis zu 50kg Fleisch, wiegt selber bis zu 200 kg und wird bis zu 2 Meter 50 lang. Entgegen der üblichen Berichterstattung jagen wohl auch die Löwenmännchen selbst.
Afghanistan
Respekt, Frau Bundeskanzlerin! Unter doch nicht zu unterschätzender Gefahr für die eigene Person besuchte Angela Merkel letzte Woche Bundeswehr-Truppenteile am Hindukusch. Was jedoch informativ und vor allem TV-strategisch wirken sollte, entglitt jäh im Timing angesichts des zeitlich fast parallel verlaufenden Amok-Laufes eines US-Feldwebels. Der Mann schlich sich angeblich an den Wachen seiner Hochsicherheitskaserne vorbei und marschierte schwer bewaffnet ins Nachbardorf und ermordete in einem speziellen Frauentrakt im Blutrausch 16 Personen, darunter auch mehrere Kinder. Erst im Februar verbrannten US-Soldaten (unvorsichtiger Weise?) mehrere Exemplare des Koran und entsorgten sie auf dem Müllplatz. Jeder normale Mensch kann sich eigentlich vorstellen, dass dies Gläubige verletzt. Mehr noch, im Islam gilt dies als ein todeswürdiges Verbrechen. Aber jetzt kommt der Clou: Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, ein Vier-Sterne-General machte daraufhin den Vorschlag – halten sie sich fest – man solle die Soldaten doch vor dem Einsatz auf die Kultur Afghanistans vorbereiten. Und das nach über 10 Jahren Krieg. Welche Erkenntnis. Weiterhin: Vor drei Monaten wurde bekannt, dass ein Vier-Mann-Killerteam der US-Army monatelang gezielt Jugendliche und Kinder gejagt und getötet hat und ihnen Trophäen gleich Finger und Ohren abschnitt. Im Januar urinierten US-Marines auf getötete Taliban.
Was passiert eigentlich mit diesen Leuten? Ha Ha, genau: wenig! Die Urinierer, die alles auch noch ins Netz stellten bekamen eine Rüge, das Killerteam erhielt wenigstens Haftstrafen (moderat) und die Bücherverbrenner bekommen wohl noch nicht einmal ein Disziplinarverfahren. Wer vermutet hier ein System?
Fakten: Laut Reinhard Erös, Autor und ARD-Kommentator, begeht jeden Tag ein US-Soldat, der in Afghanistan war, Selbstmord. Vier weitere versuchen es. Zehntausende sind mittlerweile psychisch traumatisert. Aber das wird von offizieller Seite selbstredend nicht thematisiert. In Anlehnung an Adrian Mitchell kann ich sein Gedicht über Vietnam nur umformulieren in „Tell Me Lies About Afghanistan“.
Wetten, dass
Die Nation ist gerettet, wir haben ihn, den Kandidaten: Der 42jährige Italiener Markus Lanz übernimmt die Moderation Europas größter Entertainment-Show. O du glückliches Deutschland, deine Auen blühen und deine Staatsämter sind wieder alle besetzt (Bundespräsident, Wetten, dass und bald hat auch Nordrhein-Westfahlen wieder eine Ministerpräsidentin. Wobei in diesem Zusammenhang die FDP wieder mal am Lustigsten ist. Am gleichen Tag, an dem prognostiziert wurde, dass die Liberalen auf gerade mal 2 Prozent der Wählergunst stünden, erklärte Patrick Lindner (oder Christian oder so - egal – der vokale Output ist gleich schrecklich), mit der FDP ginge es wieder aufwärts. Na denn, Brüderle – Prost - ach sind wir lustig.
Thomas Walde
Zum Schluss aber auch noch mal ein Lob: Am Tage des Rücktritts Christian Wulffs zeichnete sich ein Mann über alle Maßen aus: ZDF-Korrespondent Thomas Walde. Ich notierte mir seinen Namen vorsichtshalber. Er fiel auf durch spontanes, sehr kluges Kommentieren, garniert mit allerlei Hintergrundwissen. Er bewertete Situationen unmittelbar und ohne Telepromter und in intelligenten, druckreifen Sätzen. Gestern bei der Inthronisation Joachim Gaucks zeigte er aufs neue welche Kommentatorengröße die ZDF-Talentschmiede wieder hervorbrachte.
*Da fällt mir in diesem Zusammenhang die Geschichte von George Bush und seinem Vice-President Danny Quayle ein. Quayle, ein Tolpatsch aus dem Buche, wäre im Falle der Unpässlichkeit von Bush ja in die Rolle des Präsidenten nachgerückt. Für diesen Fall kursierte damals eben der Witz, dass die Leibwächter von Quayle - im Falle Bush würde etwas passieren – angewiesen wären, sofort Quayle zu erschießen.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 20. März 2012 um 21:42 Uhr
Montag, den 12. März 2012 um 14:21 Uhr
Thomas L. Baier
Griechenland
Ein Land, früher bekannt für Alexander, Homer, Herkules, Theseus und Kaffeeseus. Und heute: statt eines Hellenismus nur Schulden für die Welt. Hätte Odysseus auf seiner Irrfahrt dem Schuldenstrudel widerstehen können? Eine immer noch größere Staatsumschuldung aller Zeiten ist wieder mal eingetütet (Was ist eigentlich das Gegenteil von Füllhorn?). Eine Kotztüte, prima! DORFLING hat soviel darüber geschrieben, ich habe jetzt keine Lust mehr. Ich müsste nur wieder Politiker beleidigen. Mein Freund Peter hat sich hier schon die Finger wund geschrieben und aufgezeigt, wie hanebüchen die Krisenpolitik betrieben wird. Wie die Lemminge.
Wulff
Statt angemessen leise durch die Hintertüre zu verschwinden, musste es natürlich Tsching-ta-rassa-bum mit Ringelpietz und Volksaffront sein. War wohl so mit Merkel intrigiert - Verzeihung – inszeniert. Schon schreibt jener journalistische Bodensatz, man solle doch nicht auf den Vertriebenen eintreten, wenn er am Boden läge. Am Boden ist gut. Bei einer Sofortrente und Aufwandsentschädigung in Höhe von über 6 Millionen Euro bis er überhaupt das Rentenalter mit 65 Jahren erreicht hat. Weicher Boden. Kann ein paar Tritte ab.
Entweder Broder
Am Montag bedankte ich mich bei dem brillanten wie provokanten Journalisten Henryk M. Broder via Mail für einen hervorragenden Artikel im Internet. Schon kurze Zeit später dankte er mir zurück. Jedoch Samstag schon fand ich unter seiner E-Mailadresse folgenden Text in meinem Spam-Ordner:
„Ich hoffe du kriegst diese Nachricht rechtzeitig. Ich habe einen Ausflug nach Aberdeen in Schkotland gemacht und dabei wurde meine Tasche mit Reisepass, Bargeld, und meine Kreditkarten gestollen. Habe schon meine Bank informiert, aber die Arbeiten nicht so schnell wie ich es haben will. Kannst du mir ein bischen Geld borgen damit ich alles erledigen kann und zur recht komme. Ich gebe dir das Geld so schnell wie möglich zuruck. Das Geld durch Western Union ist die beste möglichkeit. Lass mich wissen wenn du angaben zur meiner person brauchst (Name, Vorname ...) mich das Geld schiken zu können. Du kannst mich durch e-mail oder durch die Hotel Reception erreichen kann unter di nummer +44702xxx0611.Ich warte auf deine Antwort. Henryk“
Merke: Auch bei Vorbildern immer aufpassen, auch sie werden missbraucht.
Staat des Bösen
Der US-Justizminister Eric Holder sabbelte am Montag in einer erschreckenden und entlarvenden Rede vor Jura-Studenten in Chicago über das staatliche angeordnete, gezielte Töten. Die Anwendung "tödlicher Gewalt" gegen mutmaßliche Terroristen sei auch dann gerechtfertigt, wenn es sich um US-Bürger handele. Selbst einen 16jährigen hat man gezielt getötet. Nun gab der oberste Ankläger der USA zum Besten, dass nicht notwendig ein Gerichtsverfahren Schuld oder Unschuld feststellen müsse: "Die Verfassung garantiert jedem ein rechtstaatliches Verfahren, aber keines, das vor Gericht stattfinden muss.". Klingt irgendwie nach Syrien und Nordkorea, oder?
Christentum?
In der März-Ausgabe ihres „Mitteilungsblatts“ ruft die erzkonservative und reaktionäre Piusbruderschaft „traditionstreue Katholiken“ dazu auf, keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen und das Geld stattdessen „jenen Werken zu geben, welche der Tradition der Kirche treu geblieben sind“. Gleichsam ist ein Formular abgedruckt, mit dem der 'Kirchenaustritt' erklärt werden kann.
Man bekräftigt, dass sich der Austritt «einzig und allein auf die Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts» beschränkt. Grund der Empfehlung sei „der Missbrauch der Kirchensteuergelder“ genannt, die „zur Zerstörung des Glaubens der Kirche“ verwendet würden. Ein Großteil des Geldes werde dazu benutzt, „all jene Laienorganisationen, Räte und Funktionäre zu bezahlen, welche die Kirche an der Basis zerstören“. Da bleibt einem die Spucke weg!
Übrigens: Vier der sechs Bischöfe des Ordens wurden bereits exkommuniziert, aber unter unserem „Sepp“ Ratzinger aka Papst Benedikt zurückgenommen. Ich fürchte, wenn man sich ehrlicherweise die abgedroschene Frage: „Was würde Jesus tun?“ stellen würde, käme man wiederum an der oben erwähnten Kotztüte nicht herum.
P.S.
Zum Schluß noch eine Entgleisung der Woche: „Wer auch immer laut von Diktatur geschrien hat“, sagte der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko am Sonntag an die Adresse von Außenminister Guido Westerwelle (FDP). „Ich habe gedacht: Es ist besser, ein Diktator zu sein als schwul.“ Westerwelle, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, hatte Lukaschenko vor Kurzem als letzten Diktator Europas bezeichnet
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 20. März 2012 um 15:54 Uhr
Donnerstag, den 08. März 2012 um 01:04 Uhr
Administrator
Und wieder ist es soweit, heute muss Griechenland gerettet werden. Eigentlich sollte das mittlerweile niemanden mehr aufregen, bisher wurde Griechenland noch immer gerettet.
Ein paar Gläubiger, oder vielleicht doch ein paar mehr als gedacht, scheinen allerdings noch nicht so recht in der Stimmung für einen Schuldenschnitt zu sein, der Bankenverband warnt deshalb vor einem Fehlschlagen der „Rettung“ was die Banken vorsorglich dazu veranlasst schon mal ihr Geld bei der EZB zu bunkern.
Um einen reibungslosen Schuldenschnitt zu ermöglichen müssten sich 90 Prozent der Gläubiger mit Verlusten einverstanden erklären. Stimmen 66 Prozent der Gläubiger für einen Schuldenschnitt, dann würde der Rest der Gläubiger ebenfalls dazu gezwungen werden. Wie die doch sehr einflussreichen Rating- Agenturen das bewerten werden bleibt offen. Würden sich weniger als zwei Drittel der Gläubiger für den Haircut entscheiden, dann wäre ein unkontrollierter Bankrott Griechenlands nicht mehr zu vermeiden. Der Kollaps des Finanzsystems wäre unvermeidbar.
Kann denn die Rettung dieses Mal vielleicht doch schief gehen? Ich bin mal optimistisch und sage Nein. Auch dieses Mal wird man irgendwie dafür sorgen, dass sich alle Gläubiger ihrem Schicksal beugen und der „Rettung“ Griechenlands zustimmen werden. Noch ist es nicht die Zeit für den großen Knall. Noch einmal müssen alle Indizes nach oben, noch einmal muss demonstriert werden wie gut das Krisenmanagement der EU funktioniert. Und vor allem muss erst noch der ESM in Kraft treten.
Ich hoffe nur, dass mein als Realist doch recht seltener Optimismus morgen nicht enttäuscht wird. Denn ehrlich gesagt, sicher bin ich mir nicht. Sicher ist nur Eins, Griechenland wird fallen, doch hoffentlich nicht schon heute.
Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 08. März 2012 um 01:08 Uhr
|
|